schild-rot-gif02
privat-schrift-gelb-sch-gif04
private initiative-gif02
berichte

botswana-flag02

Ede - Kontakt mit einem Schakal  -  Khutse Game Reservat - Botswana

ede-liegend02
ede-2-rd
ede-rd3

Ede (so nannten wir ihn) ist ein erwachsener Schabrakenschakal. Wir entdeckten ihn als er am späten Nachmittag durch eine Lehmpfanne lief. Wir waren auf der Suche nach einem Lagerplatz, den wir kurz darauf in der Nähe fanden. Danach bemerkten wir ihn erst wieder beim Abendessen.
Er lag wahrscheinlich schon länger am Rand der kleinen Lichtung und schaute uns interessiert zu. Unsere Essenreste, natürlich auf einem Teller, stellten wir ungefähr zwei Meter vor ihm auf den Boden. Das Erstaunliche war er flüchtete nicht und wir dachten er sei verletzt oder krank. Das hingestellte Wasser nahm er nicht (kein Wunder es war mit Mikropur entkeimt worden).

Als wir um 05:00 Uhr aufbrachen, war es noch dunkel und bitterkalt. Auf der Frontscheibe hatte sich eine dünne Eisschicht gebildet. Direkt unter der Leiter zu unserem Dachzelt war im Sand eine Kuhle in welcher er geschlafen hatte. Der Sand war noch warm. Den Schlafplatz musste er erst vor wenigen Minuten verlassen haben.
Gegen Mittag kamen wir zu unserem Lagerplatz zurück um Feuerholz abzuladen. Ede war schon da. Er lag wieder am Rand der Lichtung, als warte er auf uns. Wir lockten ihn mit Brot (das sind diese weißlichen knetgummiähnlichen Scheiben). Nach knapp einer halben Stunde nahm er, zwar sehr zögerlich und äußerst vorsichtig das Brot aus der Hand.

Unsere Befürchtungen, Ede sei krank oder sonst wie verhaltensgestört bestätigten sich nicht. Ede war zweifelsohne kerngesund. Sein Fell war für einen Schakal sehr gepflegt und kräftig in der Zeichnung. Edes Zähne waren ebenfalls einwandfrei. Ede war auch nicht zum Bettler domestiziert.

Am Nachmittag konnten wir ihn am Rand der nahen Lehmpfanne bei der Jagd auf Borstenhörnchen beobachten. Seine Taktik war einmalig. Sobald die Borstenhörnchen ihn bemerkten, und das war offensichtlich auch seine Absicht, denn er näherte sich ohne jede Deckung, flohen diese panikartig in ihre Löcher. Ede untersuchte nun das Terrain. Die Spuren zwischen den vielen Löchern im Boden, besonders die Pfade zu den Futterplätzen. Wo in unmittelbarer Nähe einer dieser Pfade eine gute Deckung war legte er sich hin. Offensichtlich wusste er genau, dass die Zeit für ihn arbeitete.
Es vergingen etwa fünfzehn Minuten bis die mutigsten Erdmännchen die Köpfe aus den Löchern steckten. Nach weiteren fünfzehn Minuten wagte sich der Erste auf den Weg zum Futterplatz. Sobald dieser in Edes Nähe kam ging alles blitzschnell. Ede erwischte das Borstenhörnchen mit einem Sprung.

Wenn Ede nicht da war, riefen wir nach ihm. Es dauerte nur wenige Minuten bis er kam, obwohl er mit Sicherheit das Auto schon etliche Kilometer vorher gehört hatte. Er kam immer ohne jede Hast, ganz cool, ganz lässig, nie direkt zu uns. Einen Abstand von zwei Metern hielt er immer ein. Ede beobachtete sehr aufmerksam die Umgebung, als wolle er uns bewachen.

Ede-trinkt
hoernchen-ede-282-1
roland_ede
ball-gif-klein

nach oben



 

Wenn er wegsah und wir „Ede“ riefen, schaute er sofort zu uns herüber. Riefen wir irgendein anderes Wort beachtete er es nicht. Als sich einmal ein Rudel Löwen näherte warnte er uns durch lautes Kläffen und unruhiges Hin- und Herlaufen. Wir bemerken die Löwen erst viel später.

Am letzten Tag, als wir die Stühle, den Tisch und die Wasserkanister verstauten, die wir sonst immer stehen gelassen hatten, beobachtete er uns nicht liegend, dieses Mal stand er. Wir hatten das Gefühl Ede wusste, dass die Trennung bevorstand.

Wir gaben ihm unser letztes Brot. Er trank sogar das keimfreie Wasser. Ede lief nicht hinter uns her. Er trottete querab in die kahle Lehmpfanne. Alle paar Meter blieb er stehen und schaute zu uns herüber. Die Piste verlief neben der Pfanne. Immer kleiner werdend konnten wir ihn sehen. Einmal riefen wir noch nach ihm. Er hielt sofort an, schaute länger zu uns herüber. Wir hatten den Eindruck er schüttelte den Kopf. Dann verschwand er ohne sich noch einmal umzudrehen im hohen Gras am Rand der Pfanne.

Good by, Ede. Vielleicht sehen wir uns, im nächsten oder übernächsten Jahr.

Kurzinformation - Khutse Game Reservat

Khutse, in der Sprache der San (Buschmänner) bedeutet dieses Wort – wo du niederknien musst um zu trinken-. Khutse ist ca. 2600 qkm groß und gehört zur Central Kalahari Game Reserve dem größten Wildschutzgebiet der Welt. Dieses Gebiet in Zentralbotswana hat ungefähr die doppelte Größe von Holland und Belgien.

Das Reservat wurde ursprünglich zum Schutz der letzten noch frei lebenden Buschmänner geplant. Heute werden es vielleicht noch einhundert Buschmänner sein, die wie seit Jahrhunderten durch die Halbwüste der Kalahari ziehen, als Jäger und Sammler.
In dieser Region gibt es keinen Fluß oder See, kein fließendes Wasser, keine Elektrizität, kein Telefon, keine festen Gebäude und keine Strassen, Werkstätten oder Tankstellen. Dort gibt es die unendliche Weite und Stille der Kalahari, einer einzigartigen unberührten Natur mit einer faszinierenden Tierwelt.
Eine Reise in die Kalahari ist auch heute noch eine Expedition und sollte nur mit zwei 4x4 Fahrzeugen erfolgen.

Teilnehmer: Roland Schneider, Sigurd Treske
Autor: Sigurd Treske

 

ball-gif-klein

Reiseberichte

ball-gif-klein

Home